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Konzertreise nach Gorlice / Polen
Ein deutsch-polnisches Jugendmusikprojekt
23. bis 29. Oktober 2009

Gefördert durch das DPJW (deutsch-polnisches Jugendwerk) fuhren von der Musikschule Unterer Neckar 50 Schüler des Sinfonieorchesters und 9 Lehrkräfte an die Musikschule Gorlice, im Südosten Polens. Gorlice ist eine Kreisstadt mit insgesamt 35.000 Einwohnern. Die dortige Musikschule hat knapp 300 Musikschüler. An der Musikschule in Gorlice trafen dann unsere Schüler auf die dortigen und wirkten gemeinsam in einem großen Kooperationsorchester. Hier nun ein Reisebericht unserer Schüler:

Freitag, 23. Oktober 2009

Am 23. Oktober 2009 um 00:00 Uhr sollte es endlich losgehen. Das Schlagzeugregister hatte sich wie besprochen um 22.30 Uhr in Duttenberg an der Alten Kelter getroffen. Wir waren alle gut drauf und waren gespannt, was uns in Polen so alles erwarten würde. Also packten wir das ganze Kleinzeug, wie Percussionsintrumente , Ständer, Hocker und Beckenständer mit den dazugehörigen Becken in Herrn Kokoszkas (Schlagzeugleherer) Auto. Da dies ein wenig zu klein für all diese Sachen war, kam Herr Reiß, der Vater von Pascal Reiß, heraus und bat uns an noch Sachen in sein Auto zu laden. Herr Kokoszka und Herr Reiß fuhren die Schlagzeugutensilien zum Bus. Langsam wurde es voll an der Bushaltestelle. Musiker und Familie warteten gespannt auf den Bus. Die ersten Verabschiedungen erfolgten schon. Dann kam der Bus. Voller Energie strömten, schon kurz nachdem die Busfahrer Dieter und Michael die Türen öffneten, einige in den Bus, um die besten Plätze zu reservieren. Danach luden alle ihr Gepäck ein und suchten sich ebenfalls einen Platz. Und ab ging es nach Polen! Draußen standen noch Familien zum winken. Auf den ersten Kilometern stellten sich die Busfahrer vor und erklärten ein paar wichtige Dinge über den Bus. Am Anfang der Fahrt wurde noch viel im Bus geredet und erzählt, doch da eigentlich alle ziemlich müde waren, wurde es schnell ruhiger und nach einiger Zeit schliefen alle ein, mit den Hintergedanken an ihre Familie und der bevorstehenden Konzertreise nach Polen.
(geschr.: Schlagzeugregister - Nils Lustig)

Samstag, 24. Oktober 2009

Nach einer Nacht im Bus begann unser Morgen mit Saitenwürstchen und Kaffee bei einem gemütlichen Frühstück auf einem polnischen Parkplatz. Um uns herum herrschte Einöde und wir bemerkten schnell, dass uns die Gegend fremd war. Nach einer langen Busfahrt durch die Pampa, da es nach Gorlice keine Autobahn gibt, wurden wir in der Musikschule in Gorlice bei Regen und Nebel herzlich empfangen. Von der Gastfreundschaft waren wir sofort begeistert. Nun wurden wir unseren Gastfamilien zugewiesen. Dort lernten wir während eines leckeren Abendessens die Gastfamilie und die Kultur des Landes kennen. Erschöpft von der langen Reise gingen wir schlafen und freuten uns auf die nächsten Tage.
(geschr.: Musikschüler/-schülerinnen Flöte und Oboe)

Sonntag, 25. Oktober 2009

Am Sonntagmorgen lernten wir die Religion unserer Gastfamilien kennen. Es war interessant zu sehen, wie sich das stundenlange Knien auf nacktem Fußboden anfühlt. Nach der Kirche aßen wir in einer großen Runde mit Dolmetscher, Pfarrer und Bekannten der Familien gemeinsam zu Mittag. Die Stimmung war bombig, vor allem die Witze des Pfarrers. Nach dem ausgiebigen Mittagessen schloss sich sofort ein gemütliches Kaffeekränzchen an. Durch unser lustiges Beisammensein vergaßen wir völlig die Zeit und brausten deswegen mit einem atemberaubend schnellen Tempo durch die zwar gut ausgebauten, jedoch etwas holprigen, Straßen zur Musikschule. Leider kamen wir trotzdem nicht ganz pünktlich zur Probe. Das Zusammenspiel machte uns allen viel Spaß, wobei wir vom Tempo einiger Stücke überrascht waren. Und auch die Verständigung zwi-schen den Musikern aus Bad Friedrichshall und Gorlice verlief fast problemlos. Danach fand ein Konzert statt, bei dem die Lehrer beider Musikschulen ihr Bestes gaben. Mit gewohnter Gastfreundlichkeit wurden wir anschließend vom Landrat und wichtigen Leuten der Stadt bei einem Empfang herzlich begrüßt. Danach kehrten wir früh in unsere Gastfamilien zurück, um den nächsten Tag ausgeruht starten zu können.
(geschr.: Musikschüler/-schülerinnen Klarinetten und Fagott)

Montag, 26. Oktober 2009

Krakaubesuch
Ein besonderer touristischer Höhepunkt unserer Polenreise war der Besuch der sagenumwobenen Stadt Krakau. Die morgendliche Schläfrigkeit wurde schnell durch ein gemeinsames Geburtstagsständchen für unseren Chef Herrn Rogalski überwunden. Nach 120 km und dreieinhalb Stunden Fahrt erreichten wir endlich Krakau. Beim Überqueren des Flusses Weichsel fiel unser Blick sofort auf die stattliche Festung „Wawel“. Dort begann unsere Stadtführung. Die verschiedenen Kapellen erschlossen uns die Geschichte Krakaus und bildeten einen Nachvollzug der wechsel-haften Epochen und Herrschaftszeiten. Besonders erstaunlich und atemberaubend erschien uns die riesige Sigmundis-Glocke mit ihren überdimensionalen Ausmaßen. Diese ist nur über ein verzweigtes, hölzernes Treppensystem zu erreichen. In den Straßen Krakaus wurde schnell bewusst, wie sehr die Einheimischen ihren großen heiligen Vater Karl Woytila würdigen, ja ihn lieben. Unser Weg führte zum größten Markplatz Europas, mit den berühmten Tuchhallen und der Marienkirche. Nach einem kurzen Besuch der Marienkirche hörten wir zusammen das Trompetensignal des Turmwächters vom Kirchturm. Der Sage nach weckte dieses Signal vor hunderten von Jahren die Bürger Krakaus und warnte sie vor dem Einfall der Tartaren (mongolische Reiter). Diese beschossen die Stadt und verletzten dabei den Trompeter tödlich. Das abrupte Ende des Trompetensignals wird ebenso wie damals ausgeführt und jede volle Stunde in alle vier Himmelsrichtungen geblasen. Nun wurde unsere Gruppe aufgeteilt und wir erkundeten Krakau auf eigene Faust. Nach ca 2 Stunden fuhren wir dann wieder Richtung Gorlice. An einer Tankstelle, an der wir eine Toilettenpause einlegten, war kurz ein Personenverlust zu bemerken, der dann aber relativ schnell wieder behoben werden konnte. Wie aßen dann noch in einem Motel und fuhren anschließend „total fertig“ nach Gorlice zu unseren Gasteltern, mit denen wir dann nach Hause gingen. So ging auch der 3. Tag zu Ende.
(geschr.: Musikschüler/-schülerinnen der Blechbläser)

Dienstag, 27. Oktober 2009

Nach dem Frühstück bei unseren polnischen Gastfamilien probten wir im Gemeinschaftsorchester bis zum gemeinsamen Mittagessen. Anschließend besichtigten wir mit den polnischen Musikschülern einige Sehenswürdigkeiten in der Region Gorlice. Zu Beginn sahen wir eine römisch-katholische Holzkirche des 16. Jhd. in Sekowa. Im Anschluß fuhren wir zu einem Soldatenfriedhof des 1. Weltkrieges. Dieser befand sich am Matastowska-Paß. Zuletzt hielten wir bei einer zweiten Holzkirche, die ursprünglich eine griechisch-katholische Kirche war, heute aber römisch-katholische Gottesdienste gehalten werden. In dieser Kirche, die in Kwiatori war, konnte man einige schöne Ikonen bestaunen. Während der gesamten Besichtigungsfahrt begleitete uns ein polnischer Reiseführer, durch den wir sehr viel über die Sehenswürdigkeiten erfuhren. Herr Kokoszka, der den Reiseführer übersetzte, gab uns noch einige zusätzliche Informationen. Nach einem gelungenen Ausflug probten wir erneut mit den Schülern der Musikschule von Gorlice und aßen anschließend bei Ihnen zu Hause zu Abend.
(geschr.: Musikschüler/-schülerinnen der 1. Violine)

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Am Mittwoch erreichte unser Aufenthalt in Polen seinen Höhepunkt. Morgens ging es gleich zur Probe im Kulturzentrum in Gorlice, wo wir zusammen mit den polnischen Musikschülern die Generalprobe für das Konzert hatten. Anschließend besichtigten wir, nach einem gemeinsamen Mittagessen, in Kleingruppen die Stadt, in der es viel Kulturelles wie z.B. die Marienkirche oder den Rathausplatz zu sehen gab. Gegen Abend ging es mit dem Bus zurück zum Kulturzentrum in Gorlice, wo unser Partnerschaftskonzert stattfand. Es war das „I-Tüpfelchen“ unseres Austausches. Und wir hatten großen Erfolg dabei! Danach feierten wir bei einem gemeinsamen Abendessen den Erfolg und die Freundschaft unserer Partnerschaft.
(geschr.: Musikschüler/-schülerinnen der 2. Violine)

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Das war hart: um 4.45 Uhr ertönte das Wecksignal der Uhr nach kurzer Nachtruhe im Anschluss an den gemeinsamen fröhlichen Abend an der Musikschule, bei dem alle Anspannungen des Orchesterkonzerts und dessen Vorbereitung abgefallen war und bei dem der Gedanke an die frühe Abreise die Festesfreude eher gehemmt hätte. Es bleibt nur wenig Zeit zum Frühstück, denn alle restlichen Reise- und Konzertutensilien wurden noch eingepackt und der Bus stand schon in der Nähe der Musikschule zum Einladen des Gepäcks und der Instrumente bereit. Dann hieß es endgültig „do widzenia“ – „Auf Wiedersehen“, herzliche Verabschiedung, besonders auch von den Gastfamilien verbunden mit herzlichem Dank für die gute Unterbringung und Verpflegung wäh-rend des Aufenthaltes. Gegen 6.30 Uhr setzte sich unser Bus in Bewegung in Richtung Heimat, zunächst in stundenlanger Fahrt auf Landstraßen durch zahlreiche Dörfer und ein Stück weit entlang des Nebenflusses der Weichsel: Dunajec. Bei Krakau war endlich die Autobahn erreicht, und bei ruhiger und gleichmäßiger Fahrt ließ sich noch ein wenig Schlaf nachholen, während draußen Nieselregen herrschte. „Das ist die letzte Rast in Polen, wo ihr euere Ztoty noch ausgeben könnt.“ „Abfahrt ist um fünfundvierzig“, kündigte der Busfahrer Michael an; nach einer halben Stunde an der polnischen Raststätte ging es weiter, wobei nun Dieter, der andere Busfahrer das Steuer übernahm.
Plötzlich schreckte man auf, man spürte wie der Bus ziemlich abrupt abgebremst wurde bis zum Stillstand und schaute sich um: wir standen auf der Standspur der Autobahn, vor uns ein polnisches Polizeifahrzeug, Stanislaw Kokoszka begab sich nach vorne, um falls erforderlich zu übersetzen. Zwei Beamte in Uniform gingen durch den Bus und sammelten von den meisten die Reisepässe und Personalausweise ein und nahmen sie mit in das Polizeiauto. Nach einigen Minuten des Wartens gab es „Entwarnung“: Busfahrer Dieter verteilte die eingezogenen Dokumente wieder während wir mit seinem Michael am Steuer bei Görlitz über die Grenze nach Deutschland fuhren. Auf einem Rasthof bei Dresden, den wir auch ansteuern mussten, weil wir „fast nur noch Luft im Tank“ hatten, verließ uns unsere Kollegin Christiane Adamczyk, nachdem ihr Marco Rogalski unseren Dank für ihre Mitwirkung ausgesprochen hatte. Zwischendurch gab es heißen Leberkäse und heiße Würstchen mit Brot. Vor der Ankunft auf dem Rasthof Kammerland, den wir nach Einbruch der Dunkelheit erreichten, verabschiedeten wir dankbar unseren Aushilfshornisten Hendrik Wächter. Allmählich wurde das Ende der Rückreise absehbar. Marco Rogalski griff zum Mikrophon:“…noch zwei Stündchen…“, er sprach im Zusammenhang mit unserer Konzertreise von einem Beitrag zur Völkerverständigung (auch wenn es etwas pathetisch klingt), er dankte jeweils bedacht mit lebhaftem Beifall, den beiden Fahrern, den Lehrern, unter diesen ganz besonders Stanislaw Kokoszka für seinen wesentlichen Beitrag zum Zustandekommen unserer Reise in seine Heimat sowie für seine interessanten Erläuterungen dank seines immensen Wissens (Zwischenruf:“Lexikon“), schließlich allen Mitreisenden zusammen für ihren Einsatz.
Das nächste Ziel ist auch bereits ins Auge gefasst: „Eine deutsche Weihnacht“ am 06 und 13. Dezember in Bad Rappenau und Bad Wimpfen. Auch die beiden Fahrer bedanken sich dafür, dass sie mit uns nach Polen reisen durften und für unser Konzert am Mittwoch, das ihnen ganz besonders gut gefallen habe.
Stellvertretend für alle Beteiligten nahm zuletzt noch Helen May das Mikrophon, um Marco Rogalski für die Organisation der Reise und der Konzerte sowie die Leitung der Orchesterproben und des Orchesterkonzerts zu danken. Gegen 21.00 Uhr trafen wir an der Haltestelle in Bad Friedrichshall-Duttenberg ein, wo uns die Eltern der Schüler bereits erwarteten.
(geschr.: Klaus Mühleck)

Musikschule Unterer Neckar
Kirchgasse 14
D-74177 Bad Friedrichshall

fon: 07136 / 9544-0
fax: 07136 / 9544-22

Bürozeiten Verwaltung:
Mo-Fr: 09.00 - 13.00 Uhr
zitat Marco Rogalski
Musikschulleiter